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Ursula v. d. Leyen zum Predigen eingeladen: Protest!

Hannelore Morgenstern hat einen Brief für unsere Gruppe 'Steuern zu Pflugscharen' formuliert aus Protest gegen eine Einladung des Kirchentagspräsidiums an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen während des DEKT in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Der Evang. Militärbischof Sigurd Rink wird diesen Gottesdienst leiten. Hier der Wortlaut:

Präsidium des Deutschen Ev. Kirchentages 2017
c/o Geschäftsstelle
Potsdamer Str. 180/182
10783 Berlin

Kirchentagsgottesdienst am 26.05.2017 unter Leitung von Militärbischof Rink und mit der Predigt von Ursula von der Leyen 

Sehr geehrte Frau Dr. Aus der Au, sehr geehrte Frau Überschär,
sehr geehrte Damen und Herren,

bereits im November 2016 haben wir uns mit anderen Organisationen gegen diese Veranstaltung ausgesprochen – offenbar ohne Erfolg. Je näher der Termin kommt, umso mehr steigen unter uns Unverständnis, Widerstand, Enttäuschung, Ärger, ja auch Empörung.

Der Grundgedanke des Priestertums aller Gläubigen erlaubt es jedermann, zu predigen. Gelegentlich werden auch nicht Ordinierte eingeladen. Die Verantwortung dafür liegt bei Ihnen als Kirchentagsleitung. 

So fragen wir Sie:  Weshalb laden Sie ausgerechnet die Bundesverteidigungsministerinein? Was kann  gerade sie im Mai 2017 aus christlicher Sicht zu einem Gottesdienst beitragen?

Die Landeskirchen befinden sich in Prozessen, Kirche des gerechten Friedens zu werden. Ist zu erwarten, dass die Verteidigungsministerin, die ständig mehr Geld für militärische Zwecke fordert, in ihrer Predigt einen Beitrag zu diesem Prozess liefern wird?  

„Frieden auf Erden“ ist Zentrum der Verkündigung; das Gebot der Feindes­liebe ist zu verkündigen und zu praktizieren. Das ist unaufgebbares Zentrum unserer Predigten; dies besonders in einer Zeit, in der mehr denn je Kriege - auch mit deutschen Waffen und Streit­kräften - geführt werden. Eine Predigt zur praktizierten Feindesliebe erwarten wir weder von der Verteidigungsministerin noch vom Militärbischof.   

Wir erwarten von den Kirchen und der Kirchentagsleitung , dass sie eindeutig und konkret die  gewaltfreie, konstruktive Konfliktarbeit in das Zentrum der Verkündigung stellen und dafür im Dialog mit Regierungsvertretern einstehen. Es sprengt unseren Glauben, dass das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi die Rechtfertigung von Krieg zulässt, auch nicht als „ultima ratio“. Deshalb bitten wir Sie dringend, die Einladung der Verteidigungsministerin zurückzuziehen; am besten den ganzen „Militärgottesdienst“ abzusagen.

Eine politisch-christliche Debatte über Friedenswege sowie den angemessenen Geld- und Menscheneinsatz mit geeigneten FachministerInnen und andere Fachleuten passt durchaus zum Kirchentag.

Weil das Geld unsere Steuern sind, haben wir vor der Parlamentsentscheidung über die Ressortzuteilung das Bestimmungsrecht über die grundlegende Verteilausrichtung: Zivil- oder Verteidigungsetat. Das Zivilsteuergesetz ist dafür unser Lösungsangebot.

Wir, die Unterzeichnenden, sind mehrheitlich Gottes Wort und unserem Gewissen verpflichtet. Das Zivilsteuergesetz ermöglicht beides durch die Freiheit, den Fluss unseres Steuergeldes wenigstens grundsätzlich zu lenken. 

Wir erwarten von Ihnen überzeugende Antworten oder andernfalls, dass es diesen Gottesdienst in der geplanten Form nicht gibt.

Mit freundlichen Grüßen 

Hannelore Morgenstern-Przygoda
i.A. AG SzP/NWFS e.V.

Durchschrift per e-mail an Geschäftsstelle